Maßgeschneiderte Krebstherapien

Gewissenhaft
forschen

Forschung für die ambulante Versorgung

Maßgeschneiderte Krebstherapien

Jedes Jahr erkranken in Deutschland rund 500.000 Menschen neu an Krebs. Bisher wurden Tumore hauptsächlich mit Chemo- und Strahlentherapien sowie chirurgischen Eingriffen bekämpft. Bekannt ist jedoch schon lange, dass aufgrund der individuellen genetischen Ausstattung Patienten unterschiedlich auf Therapien reagieren – nicht alles wirkt bei jedem gleich gut. Der Forschungszweig der personalisierten Krebstherapie verfolgt deshalb einen anderen Ansatz und fußt auf fortschrittlichen diagnostischen Methoden: Blut und Tumorgewebe werden untersucht und auf spezielle Veränderungen – sogenannte Biomarker – überprüft, die charakteristisch für die Tumorzellen bestimmter Patientengruppen sind. Mithilfe von Antikörpern wird der Tumor dann mit Tabletten oder Infusionen passgenau bekämpft.

 

Ziel ist ein Therapiekonzept für jeden einzelnen Patienten, das unerwünschte Nebenwirkungen senken und die Kosten-Nutzen-Relation moderner Krebstherapien verbessern soll. Dieser therapeutische Ansatz verspricht gute Erfolge, wird zum Großteil ambulant durchgeführt und minimiert die physischen und psychischen Belastungen der Patienten. In Studien werden weitere Faktoren erforscht und die Behandlungsschemata optimiert. Die gewonnenen Erkenntnisse kommen unmittelbar den Patienten zugute. Die Hochschulambulanzen der Unikliniken sind bei diesem Prozess führend. Hier gehen Forschung, Lehre und Krankenversorgung Hand in Hand.

Preisgekrönte Forschungserfolge in Köln

Die Krebsforschung am Uniklinikum Köln setzt auf die Entwicklung maßgeschneiderter Krebstherapien. Aufgrund der besonders innovativen Ansätze wurde das an den Uniklinika Köln und Bonn ansässige Centrum für Integrierte Onkologie (CIO) Köln Bonn in das Netzwerk der onkologischen Spitzenzentren aufgenommen. Voraussetzung für diese Zertifizierung sind umfassende Organisationsstrukturen, die die fächerübergreifende Zusammenarbeit garantieren und immer auf dem aktuellen Stand der therapeutischen Entwicklungen sind. Im März 2016 erhielt der Ärztliche Leiter des CIO, Prof. Dr. Jürgen Wolf, für seine Forschungserfolge auf dem Gebiet der individualisierten Krebstherapie und die Durchsetzung personalisierter Therapien bei Lungenkrebs den Innovationspreis des Landes Nordrhein-Westfalen.

Optimale Zusammenarbeit in Essen

Im Westdeutschen Tumorzentrum, einem onkologischen Spitzenzentrum am Universitätsklinikum Essen, werden jährlich mehr als 20.000 stationäre und 70.000 ambulante Fälle von Krebserkrankungen behandelt, 93 Prozent der Krebspatienten leiden an soliden Tumoren wie beispielsweise Lungenkrebs. Man forscht deshalb besonders intensiv auf dem Feld der personalisierten Krebstherapie. „Das Gebiet der personalisierten Krebstherapie ist sehr dynamisch. Fast monatlich kommen neue Erkenntnisse dazu“, sagt Prof. Martin Schuler, Direktor der Inneren Klinik (Tumorforschung) am Universitätsklinikum Essen. „Unser Team in der Hochschulambulanz ist hochqualifiziert, arbeitet fächerübergreifend und nutzt bestehende Netzwerke und die Forschung“, so Schuler. Vieles, was heute ambulant behandelt wird, war noch vor wenigen Jahren nur stationär möglich. „In der ambulanten Behandlung durchläuft der Patient nicht verschiedene Therapieformen nacheinander, sondern wird entsprechend der genomischen Biomarker einer Erkrankung gezielt und kontinuierlich behandelt“, erklärt Schuler. Dennoch werde die stationäre Behandlung nie überflüssig: „Stationäre und ambulante Behandlung sind ein Miteinander – kein Gegeneinander.“

Ganzheitliche Behandlungsansätze in Heidelberg

Auch am Nationalen Centrum für Tumorerkrankungen (NCT) in Heidelberg, einem Zusammenschluss des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ), des Universitätsklinikums Heidelberg und der Thoraxklinik Heidelberg, profitieren die Patienten vom ganzheitlichen Behandlungsschema der integrierten Onkologie. „Ein Forschungsschwerpunkt des NCT sind die studienbegleitenden Biomarkerprogramme zur Weiterentwicklung der personalisierten Krebstherapie“, sagt Chefarzt Prof. Michael Thomas. Gerade bei Lungenkrebs sei dieses Vorgehen effektiv: „Bestimmte Mutationen auf dem Krebsgeschwür werden gezielt ausgeschaltet“, so Thomas. Zukünftig werde sich die Thoraxonkologie in Richtung immunonkologischer, also auf Antikörpern basierende Behandlungen verschieben. Dies bedeute weniger Chemotherapien und verbesserte Prognosen. Das Konzept der onkologischen Hochschulambulanzen sei dabei für eine individuelle und umfassende Behandlung der Patienten ideal und zukunftsweisend. Wie auch immer sich die Krebsforschung der nächsten Jahre weiterentwickeln wird: Im Alltag der Uniklinika sind die Verfahren der personalisierten Krebstherapie bereits angekommen.

 

Maßgeschneiderte Krebstherapien

Im Zuge der Behandlung von Jens Barge nahmen die Experten Blutwäschen vor, um die Antikörper zu reduzieren.

 

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