Kooperationen

Partnerschaft für
Innovationen

Fortschritt ist keine Einbahnstrasse

Universitätsklinika als Partner der forschenden Medizintechnik- und Pharmaindustrie

Erfolg hat viele Mütter und Väter, sagt ein Sprichwort. Das gilt auch für Neuerungen in der Medizin: Selten lässt sich heute noch eindeutig nachvollziehen wie etwa beim Penicillin oder beim Röntgen, woher die Idee für eine bahnbrechende Entwicklung in der Heilkunst stammte und wer maßgeblich daran mitwirkte, sie für Patienten allgemein verfügbar zu machen. An den Universitätsklinika fließen medizinische Forschung und eine fachlich breit aufgestellte, ambulante und stationäre Krankenversorgung zusammen. Hier sind Ärzte regelmäßig mit komplexen Krankheitsbildern und besonderen Begleitumständen ihrer Patienten konfrontiert.

Die Pharmaindustrie und Medizintechnikhersteller greifen Impulse aus der universitären Krankenversorgung gern auf. Sie haben das nötige Know-how und wirtschaftliche Potenzial, neue Ideen und Prototypen zu zuverlässigen Produkten zu entwickeln und auf den Markt zu führen. Für die notwendigen klinischen Studien und darüber hinaus im Rahmen der frühen Versorgungsforschung sind die Universitätsklinika mit ihrer wissenschaftlichen Expertise und ihrer strukturellen Unabhängigkeit unverzichtbar.

Allein 2014 kamen 49 Medikamente mit neuen Wirkstoffen auf den deutschen Markt. Ein Rekordwert; der langjährige Durchschnitt liegt gerade einmal bei 20 bis 30 neuen Arzneimitteln. Allerdings erweist sich längst nicht jedes Mittel als wirklich innovativ – nur ein kleiner Teil bringt deutliche Verbesserungen für die Patienten, wie der jährlich von der Techniker Krankenkasse herausgegebene und von der Universität Bremen mitverfasste Innovationsreport zeigt. Doch auch in dieser Hinsicht war 2014 ein gutes Jahr: Erstmals stehen interferonfreie Therapien gegen Hepatitis C zur Verfügung, wodurch sich die Prognose für die Erkrankten deutlich verbessert hat.

Kampf gegen Ebola und Malaria

Im Fokus der Universitätsklinika stehen auch Erkrankungen, die in Deutschland nur ausgesprochen selten auftreten. Im Zuge der jüngsten Ebola-Epidemie im westlichen Afrika etwa brachten das Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf und das Universitätsklinikum Tübingen ihre Expertise bei internationalen Studien zu zwei von der Pharmaindustrie eigens neu entwickelten Impfstoffen ein. Erste Ergebnisse sind vielversprechend. Die Mediziner erhoffen sich, dass für künftige Epidemien eine wirksame Schutzimpfung zur Verfügung steht.

Auch gegen Malaria gab es bislang keine Schutzimpfung, obwohl jedes Jahr weltweit knapp eine Million Menschen an dieser von Parasiten verursachten und durch Mücken übertragenen Krankheit sterben. Am stärksten gefährdet sind Kleinkinder auf dem afrikanischen Kontinent. Erstmals weckt jetzt ein Impfstoff-Kandidat Hoffnungen: Eine Phase III-Studie, die seit 2009 im internationalen Verbund, unter maßgeblicher Mitwirkung des Universitätsklinikums Tübingen läuft, zeigte positive Ergebnisse. Der neue Wirkstoff schützte je nach Impfschema bis zu 36 Prozent der geimpften Kleinkinder über mehrere Jahre vor Malaria. Experten sprechen von einem Meilenstein in der Malaria-Kontrolle. Bei der WHO und anderen Organisationen laufen die Zulassungsprüfungen.

Neues aus der Physik

Mikroskope, Röntgenstrahlen, Ultraschall, Magnetresonanz, Positronen-Emissionstomographie oder Szintigraphie – all diese Verfahren machen eigentlich unsichtbare Dinge, Strukturen und Prozesse sichtbar. Physiker, Ingenieure und Medizintechniker loten, gemeinsam mit Medizinern an den Universitätsklinika, die Möglichkeiten und Grenzen der Technik immer weiter aus, entwickeln neuartige Technologien und Kombinationen, mit einem Ziel: Krankheiten genauer zu diagnostizieren und besser zu heilen.

Ultraschall beispielsweise kommt längst nicht mehr nur in der Diagnostik zum Einsatz. Moderne Hochleistungs-Ultraschallgeräte vermögen die Schallwellen derart zu fokussieren, dass Mediziner Tumorgewebe etwa in der Prostata oder in der Gebärmutter damit abtragen können. Der Vorteil für die Patienten liegt auf der Hand: Diese Therapieform kommt ohne Operation aus, ein Hautschnitt ist nicht erforderlich und gesundes Gewebe wird weitestgehend geschont.

Am Universitätsklinikum Heidelberg wird maßgeblich die Entwicklung der MR-Neurographie mit vorangetrieben: Dank spezieller Aufnahmetechniken mit Puls-Sequenzen ist es den Neuroradiologen erstmals gelungen, Schäden an feinsten Nervenfaserbündeln sichtbar zu machen. Mit dieser Methode können die Mediziner beispielsweise untersuchen, was sich bei Polyneuropathie, einer häufigen Nervenerkrankung infolge von Diabetes, in den Nervenfasern ändert, oder welche Nervenschädigungen eine Chemotherapie hervorruft. Die Heidelberger Wissenschaftler zeigten auch, dass mit ihrem innovativen Verfahren eine genaue Lokalisation der Nervenläsionen bereits beim Einsetzen der ersten Symptome möglich ist.

Göttinger Wissenschaftler erforschten die Grundlagen für eine weitere innovative Diagnosetechnik – das Echtzeit-MRT. Es liefert bis zu 50 Einzelbilder pro Sekunde, damit werden sogar Filmaufnahmen des schlagenden Herzens möglich. Die Siemens AG hat die hochleistungsfähige Diagnosetechnik mittlerweile zur Serienreife entwickelt, eines der weltweit ersten Geräte steht in Göttingen und wird hier zunächst in der Herzforschung eingesetzt. In spätestens fünf Jahren, so hoffen die Kardiologen, könnte die neue Technik auch bei Herzkatheterbehandlungen etwa nach einem Herzinfarkt eingesetzt werden und hier die potenziell schädigenden Röntgenstrahlen ersetzen.

Erfahren Sie mehr über die Forschung im Bereich der Hybridbildgebung und der Magnetresonanz-Elastographie.

Kollege Roboter im OP

Wie wichtig eine kritische Evaluation bei jeder medizinischen Neuentwicklung ist, zeigt das Beispiel der OP-Roboter. Die ersten „Robodocs“ aus den USA hielten vor über zwei Jahrzehnten Einzug in die Kliniken. Anhand dreidimensionaler Computertomographie-Bilder wurden diese OP-Roboter programmiert, um – mit höherer Präzision als jeder Chirurg – vor der Implantation von Hüft-Endoprothesen den Gelenkknochen auszufräsen. Jedoch brachte die hohe Präzision nicht den gewünschten höheren Behandlungserfolg. Im Gegenteil: Probleme häuften sich, viele Patienten litten unter chronischen Schmerzen, weil der Roboter Muskeln und Nerven verletzt hatte. Orthopäden aus zwei Universitätskliniken brachten mit ihren Gutachten die Wende im Interesse der Patienten. Zu keiner Zeit habe eine wissenschaftliche Bewertung der neuen Methode vorgelegen, bemängelten sie. Daraufhin wurde die Technik gründlich überprüft und weiterentwickelt. Die heute üblichen Systeme agieren nicht mehr wie Roboter autark nach einer vorgegebenen Programmierung, sondern es handelt sich um computergestützte Telemanipulatoren. Der Chirurg kontrolliert den Eingriff am Monitor, das System überträgt jede Hand- und Fingerbewegung präzise in das Operationsgebiet.

Orthopäden des Universitätsklinikums Regensburg haben bereits 2008 ein Verfahren entwickelt, um Knie-Endoprothesen mittels Computernavigation millimetergenau einzupassen. Gerade beim Kniegelenk ist diese Genauigkeit entscheidend: Stimmen die Gelenkwinkel nicht exakt, so kommt es zu Fehlbelastungen und die Patienten klagen nach einiger Zeit über Schmerzen, außerdem halten die Kunstgelenke nicht so lange wie theoretisch möglich. Dank Computernavigation stieg der Anteil der optimal implantierten Kniegelenke von rund 25 auf über 90 Prozent.

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