Computerspielsucht

Moderne
Ambulanzen

Forschung für die ambulante Versorgung

Computerspielsucht – Hilfe bei neuen Erkrankungen

Computer- und Internetnutzung kann abhängig machen und stellt ein spezifisches Krankheitsbild dar. Mit dieser These gingen die Ärzte und Psychologen der Universitätsmedizin Mainz Mitte der 2000er-Jahre auf Konfrontationskurs mit der gängigen Forschungsmeinung. Während viele Fachleute der neuen Sucht kritisch gegenüberstanden, blieben die Mainzer bei ihrer Sichtweise: Seit 2008 können sich Betroffene in der Sabine M. Grüsser-Sinopoli Ambulanz für Spielsucht der Klinik und Poliklinik für psychosomatische Medizin und Psychotherapie behandeln lassen. Hier werden heute nicht nur Jugendliche und junge Erwachsene, sondern auch Patienten im Rentenalter von Dr. Klaus Wölfling, dem Leiter der Spielsuchtambulanz, und seinem Team betreut.

Dass die Ambulanz nicht nur Computer- und Internetsüchtige behandelt, sondern auch Patienten, die unter pathologischer Spielsucht leiden, ist nicht dem Zufall geschuldet: „In den Spielsuchtambulanzen wurden die Psychologen sehr früh auf die neue Abhängigkeit aufmerksam, da die Betroffenen hier zuerst Hilfe suchten“, erklärt Dr. Wölfling. „Viele der Patienten reagieren jedoch zu spät und suchen erst Hilfe, nachdem sie persönliche Schicksalsschläge wie Jobverlust oder Beziehungsaus ereilt haben und die Sucht zum Lebensinhalt geworden ist“, weiß der erfahrene Psychologe. Um Abhängige frühzeitig zu schützen, bietet die Ambulanz ein präventives Medientraining an, in dem die Betroffenen lernen, ihren Medienkonsum zu begrenzen. Bei stark abhängigen Patienten setzen die Mediziner außerdem auf Expositionstherapie. So werden die Betroffenen nach einem sechswöchigen Entzug unter therapeutischer Aufsicht wieder an den Computer und das Internet herangeführt. Das Programm, das dabei zum Suchtverhalten geführt hat – ganz gleich ob Computer­ spiel, Onlinepornografie, soziale Medien, Onlineshop oder Onlineglücksspiel –, wird dabei jedoch konsequent gemieden. Dr. Wölfling plädiert für einen Ausbau der Versorgung in Deutschland: „Vor dem Hintergrund der sich stetig weiterentwickelnden Technik steigt auch die Anzahl potenzieller Suchtquellen. In gemeinsamen Studien mit den Universitätsklinika Mannheim und Tübingen arbeiten wir derzeit kontinuierlich daran, die aktuellen Behandlungsmöglichkeiten zu verbessern. Weitere Ambulanzen und Zentren sind für eine deutschlandweit hochwertige Versorgung aber dennoch unerlässlich.“

Oft suchen ­Betroffene erst ­Hilfe, wenn ­existenzielle Krisen drohen.

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