Kampf gegen Krebs

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Kampf gegen Krebs

Universitätsmedizin forscht an wirkungsvolleren Methoden

Fast eine halbe Million Menschen erkranken jährlich in Deutschland neu an Krebs, über 200.000 sterben daran: Bösartige Neubildungen von Zellen und Gewebe sind hierzulande die zweithäufigste Todesursache. Dank effizienter Früherkennung und neuen, schonenden Behandlungsstrategien können jedoch immer mehr Betroffene geheilt werden – oder zumindest mit ihrer Krankheit noch viele Jahre leben. Die Universitätsklinika leisten hierzu mit modernster, fächerübergreifender Hochleistungsmedizin einen gewichtigen Beitrag.

Das Pankreaskarzinom (Bauchspeicheldrüsenkrebs) zählt zu den gefährlichsten Tumorerkrankungen. Nicht einmal jeder zehnte Patient überlebt fünf Jahre mit dieser Diagnose. Ein Problem ist, dass der Krebs zumeist lange unentdeckt bleibt und im fortgeschrittenen Stadium nicht mehr heilbar ist. Ein Forschungsteam der Medizinischen Fakultät am Universitätsklinikum Heidelberg hat herausgefunden, dass sich im Blut der Betroffenen bestimmte Tumorzellpartikel, Exosomen genannt, nachweisen lassen. Dies könnte der Durchbruch für eine frühere Diagnose sein. Die Forscher untersuchen nun, wie es zur Bildung von Tochtergeschwüren kommt, die ebenfalls charakteristisch für Pankreaskarzinome sind.

Stammzelltransplantationen – neue Erkenntnisse und Strategien

Noch in den 1970er Jahren bedeutete die Diagnose „Leukämie“ – ein Sammelbegriff für Krebserkrankungen des Blut bildenden Systems – fast das sichere Todesurteil. Heute können 70 bis 80 Prozent der betroffenen Kinder und immerhin deutlich über die Hälfte der erkrankten Erwachsenen geheilt werden. Moderne Medikamente, zumeist in Kombination mit einer Bestrahlung, blockieren das Wachstumsgen der Tumorzellen. Gelingt es nicht, den Krebs unter Kontrolle zu halten, hilft eine Stammzelltransplantation: Dabei muss zunächst das Blut bildende System des Patienten zerstört werden, dann werden Blutstammzellen aus dem Knochenmark eines passenden Spenders implantiert. In Deutschland werden 75 Prozent aller Stammzelltransplantationen bei bösartigen Erkrankungen des Blut bildenden Systems an Universitätsklinika vorgenommen.

Steht kein passender Spender für ein Kind zur Verfügung, ist heute trotzdem oft eine Transplantation möglich: Die Methode, die maßgeblich an den Medizinischen Fakultäten und Universitätsklinika Heidelberg, Tübingen und an der Medizinischen Hochschule Hannover entwickelt wurde, nennt sich „haploidentische Stammzelltransplantation“. Hier kommen Vater oder Mutter als Spender infrage, sie haben 50 Prozent ihres Erbguts mit ihrem erkrankten Kind gemeinsam. Jene Immunzellen, die für eine Abstoßungsreaktion verantwortlich sind, werden vorher aus dem Transplantat entfernt. Andere Immunzellen, die gegen Krankheiten wirken, werden hingegen mit transplantiert.

Mitunter kommt die Leukämie trotz einer Stammzelltransplantation zurück. Damit sinken bislang die Heilungschancen dramatisch. Ein europäischer Forschungsverbund, an dem unter anderem die Medizinische Fakultät und das Universitätsklinikum Münster sowie die Medizinische Hochschule Hannover beteiligt sind, erprobt jetzt neue Strategien für diese Patienten: Ein Teil der Spenderzellen wird im Labor gentechnisch zu Hybridzellen verändert, die zugleich als spezifische Antikörper gegen die Krebszellen wirken. Kommt die Leukämie trotz Stammzelltransplantation zurück, können die Patienten mit den präparierten Zellen geimpft werden. Die Hoffnung der Forscher: Nicht nur die aktuell vorhandenen Leukämiezellen werden zerstört, sondern ein Teil der modifizierten Immunzellen verbleibt als „Gedächtniszellen“ im Körper und wird bei späterem Aufflammen wieder aktiviert.

Krebs bezeichnet die krankhafte Veränderung von Zellen

Mutationen im Erbgut und andere Abweichungen im Zellstoffwechsel führen dazu, dass sie sich häufiger teilen, mobiler sind und schneller wachsen als gesundes Gewebe. Sie nehmen ihre normale Funktion im Organismus nicht mehr wahr und beeinträchtigen die umliegenden Organe, bis hin zu lebensbedrohlichen Funktionsstörungen. Die Ursachen sind vielfältig, nach heutigen Erkenntnissen wirken Gene und Umwelteinflüsse gleichermaßen mit. Krebs ist eigentlich ein Sammelbegriff; über 300 verschiedene Krebsarten sind mittlerweile bekannt und immer weitere Unterformen werden beschrieben. Hierfür gibt es eine Vielzahl an Therapiemöglichkeiten.

 

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