EHEC: Gebündeltes Wissen in der Krise

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Hochdruck

Chronik EHEC-Ausbruch 2011

EHEC-Ausbruch in Zahlen und Fakten

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1. Mai 2011: Erster Patient erkrankt am blutigen Durchfall (später als EHEC0104 nachgewiesen)

8. Mai 2011: Mit EHEC0104 infizierte Patienten werden wegen blutigen Durchfalls in mehreren norddeutschen Krankenhäusern behandelt. Sie entwickeln teilweise als Komplikation das Hämolytisch-Urämische Syndrom (HUS).

19. Mai 2011: Zehn schwerkranke Patienten in Hamburg; das zuständige Gesundheitsamt informiert das Robert-Koch-Institut (RKI).

20. Mai 2011: Weitere Infektionsmeldungen, weitere Landes- und Bundesbehörden werden eingeschaltet. Verdacht auf gemeinsame Quelle. Die Art des Erregers und die Ansteckungswege sind bislang unbekannt, im Verdacht steht EHEC.

21. Mai 2011: In Hamburg tritt ein Krisenstab (RKI,Experten aus den betroffenen Bundesländern) zusammen.

22. Mai 2011: RKI warnt vor dem Verzehr roher Tomaten, Gurken und Salat: Befragungen zufolge hatten die meisten Patienten Salat gegessen. 

23. Mai 2011: Das Nationale Referenzzentrum (NRZ) für Salmonellen und andere bakterielle Erreger des RKI in Wernigerode stellt EHEC als Verursacher des aktuellen Ausbruchs fest. Im Auftrag des RKI beginnt das Referenzzentrum für EHEC/HUS am Universitätsklinikum Münster mit der Analyse des Erregers.

25. Mai 2011: Forscher des Universitätsklinikums Heidelberg veröffentlichen mit Wissenschaftlern aus Paris und Montreal in der Online-Ausgabe des New England Journal Medicine (Leserbrief) die erfolgreiche Therapie dreier an HUS erkrankter Kleinkinder mit dem monoklonalen Antikörper Eculizumabund stellen ihre Erkenntnisse anderen Uniklinika zur Verfügung. In Hannover, Hamburg, Lübeck und Kiel werden bereits wenige Stunden später erste Patienten mit der Methode behandelt.

25. Mai 2011: Forscher am Universitätsklinikum Münster klassifizieren den Erreger als EHEC 0104:H4.

30. Mai 2011: Das Universitätsklinikum Münster stellt für den Erregertyp entwickelten Schnelltest für Kliniklabore zur Verfügung.

2. Juni 2011: Forscher des Universitätsklinikums Münster haben das Erbgut des Erregers entschlüsselt: eine genetische Kombination zweier Bakterienstämme - wissenschaftliche Bezeichnung EHEC 0104:H4.

1. Juni 2011: Die Deutsche Gesellschaft für Infektiologie gibt unter Federführung des Universitätsklinikums Freiburgs Empfehlungen zum Einsatz von Antibiotika bei EHEC. Am Universitätsklinikum Rostock werden daraufhin EHEC-Patienten mit dem Antibiotikum Ciprofloxacin behandelt, sie entwickeln seltener HUS als eine Vergleichsgruppe. In Lübeck setzen Ärzte das Antibiotikum Azithromycin ein, keiner der 22 EHEC-Patienten entwickelt ein HUS.

5. Juni 2011: Neuer Verdacht: Sprossen von einem niedersächsischen Produzenten sollen den Ausbruch ausgelöst haben.

8. Juni 2011: Forscher der Universitätsklinika Greifswald und Bonn identifizieren bei HUS-Patienten mit neurologischen Ausfällen einen weiteren Krankheitsmechanismus: Bei ihnen bilden sich Autoantikörper und stören die Durchblutung im Gehirn. Transfusionsmediziner der Universitätsklinika Greifswald und Hannover adaptieren eine spezielle Blutwäschetherapie für die Betroffenen. 12 Patienten mit lebensbedrohlichen Komplikationen werden behandelt und überleben.

10. Juni 2011: An den verdächtigten Sprossen des niedersächsischen Produzenten werden EHEC-Erreger des Stamms 0104:H4 nachgewiesen. Das RKI hebt die Warnung vor Rohgemüse auf; Warnung vor dem Verzehr roher Sprossen.

5. Juli 2011: Verseuchte Bockshornkleesamen aus Ägypten für die Sprossen-Anzucht sind „mit hoher Wahrscheinlichkeit“ als Auslöser der Epidemie identifiziert.

21. Juli 2011: RKI hebt Warnung vor Sprossen und Keimlingen großteils auf.

26. Juli 2011: RKI erklärt EHEC-Epidemie offiziell für beendet.

Quellen: RKI-Abschlussbericht, RKI-Veröffentlichungen, dpa-Meldungen Mai-Juli 2011, Eigenberichterstattung der Universitätsklinika, Deutsche Gesellschaft für Infektiologie, Focus 27. Mai 2011, EHEC-Berichterstattung Ärztezeitung und Deutsches Ärzteblatt 2011/2012).

EHEC-Ausbruch 2011 in Zahlen und Fakten