Versorgungsforschung

Wie wirkt
Medizin

Versorgungsforschung

Was hilft wirklich?

Die Versorgungsforschung zielt darauf, Entscheidungen im Gesundheitswesen etwa zur Prävention von Krankheiten und zur medizinischen Versorgung der Bevölkerung auf solide wissenschaftliche Grundlagen zu stellen. Welche Therapien helfen wirklich und wie lässt sich auch auf lange Sicht mit vertretbarem Aufwand der beste Erfolg erzielen? Solche Fragen sind nicht so trivial, wie es auf den ersten Blick erscheinen mag. Denn die Ergebnisse sollen jeder wissenschaftlichen Überprüfung standhalten. Allein die Erwartungshaltung von Arzt und Patient kann aber einen Heilungsprozess deutlich beeinflussen – in positiver wie in negativer Hinsicht. Mit Blick auf die gesamte Gesellschaft können zudem auch minimale Effekte eine beträchtliche Gesamtwirkung haben. Entsprechend hoch sind die Anforderungen an Studien, die die Wirksamkeit und den Nutzen – oder die Überlegenheit einer bestimmten Behandlung – eindeutig belegen wollen.

Auch das inhaltliche Spektrum der Versorgungsforschung ist weit gefasst. Letztlich geht es darum, wie sich Gesundheitsversorgung im Alltag der Menschen konkret auswirkt. Im Fokus stehen keineswegs nur neue Therapieverfahren und Strukturen, sondern auch altbewährte Medikamente, bekannte und unerkannte Gesundheitsrisiken.

Beispiel: Nationale Kohorte

Eine der weltweit größten Studien zu den Ursachen, Möglichkeiten der Früherkennung und Vorbeugung von Volkskrankheiten ist nach jahrelanger Vorbereitung 2014 in Deutschland gestartet – die Nationale Kohorte. Im engen Verbund arbeiten bei dieser großangelegten, multifaktoriellen Langzeituntersuchung Versorgungsforscher an den Universitätsklinika mit führenden außeruniversitären Forschungsinstitutionen zusammen. Insgesamt 200.000 Teilnehmer werden von bundesweit 18 Studienzentren in acht Regionen rekrutiert, eine Nachbeobachtungszeit von 20 Jahren ist geplant. Vor wenigen Monaten starteten die Studienzentren mit den ersten Gesundheitschecks. Im Fokus steht eine Vielzahl von Krankheits- und Gesundheitsparametern, etwa zu Gefäßerkrankungen, Zuckerstoffwechsel und Lungenfunktion, aber auch zur physischen und mentalen Leistungsfähigkeit. Die Teilnehmer werden zu ihren Lebensgewohnheiten, etwa ihrer Ernährung, und zu Vorerkrankungen befragt. Im Abstand von mehreren Jahren werden die Untersuchungen wiederholt. Die Wissenschaftler erhoffen sich durch diese umfassende prospektive (=„auf künftige Entwicklung ausgerichtete“) Studie neue Erkenntnisse über die Entstehung von Zivilisationskrankheiten, genetische, sozioökonomische und regionale Krankheitsrisiken sowie über die Möglichkeiten, solchen Erkrankungen in großem Stil vorzubeugen. Denn Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Demenz, Muskel-Skelett-Erkrankungen, Allergien oder Krebs bedeuten nicht nur für die einzelnen Patienten Leid und persönliche Einschränkungen, sie in immer größerer Zahl möglichst wirksam zu behandeln, ist auch eine Herausforderung an die Leistungsfähigkeit der gesamten Gesellschaft.

Beispiel: Netzwerk Herzinsuffizienz

Die Herzinsuffizienz gilt als eine der häufigsten Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems im höheren Lebensalter. Die bislang größte in Deutschland durchgeführte Studie zur Versorgungsforschung bei Herzinsuffizienz wurde vom Universitätsklinikum Würzburg koordiniert: Die Studie INH stellte ein neues, sektorenübergreifendes Versorgungsprogramm der bis dahin üblichen Patientenversorgung gegenüber. Die Daten aus der bis 2009 laufenden Studie sowie aus der anschließenden Langzeitbeobachtung zeigten eindeutig, dass das in Würzburg entwickelte Programm HeartNetCare-HF dem traditionellen Behandlungsmodell überlegen ist.

Studiendesigns in der Versorgungsforschung

Studiendesigns in der Versorgungsforschung

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