Das Augenlicht im Fokus

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Das Augenlicht im Fokus

Regionale Netzwerke machen die Ambulanzen vieler Augenkliniken in den deutschen Universitätsklinika zu Kompetenzzentren mit „Leuchtturmfunktion“.

Rund 80 Prozent seiner Umweltinformationen bezieht der Mensch über die Augen, weshalb der Sehsinn häufig als wichtigstes Sinnessystem wahrgenommen wird. So wundert es nicht, dass Patienten mit nachlassender Sehkraft oft auch weite Wege zum Spezialisten in Kauf nehmen. Doch das könnte sich in Zukunft ändern, denn immer mehr Augenmediziner organisieren sich in regionalen Netzwerken. Im Zentrum: die Augenambulanzen der Uniklinika.

Hightech plus Austausch

Wie die Vernetzung Patienten zugutekommt, erklärt Prof. Claus Cursiefen: „Bei der Behandlung der altersbedingten oder diabetischen Makula-Degeneration, die zur vollständigen Erblindung führen kann, hängt beispielsweise sehr viel von der Bildgebung ab. Aber nicht jeder Augen­arzt kann diese teuren ­Diagnosegeräte in seiner Praxis vorhalten.“ Als Direktor des bestens ausgestatteten Zentrums für Augenheilkunde der Uniklinik Köln sieht Cursiefen eine Verpflichtung, die niedergelassenen Kollegen zu unterstützen. Dabei sei es allerdings „extrem wichtig, neben dem Zugang zur Technik auch die Kommunikation mit entsprechend spezialisierten Kollegen und die ständige Fortbildung zu forcieren.“ Das sieht Cursiefens Kollege von der Universitätsmedizin Göttingen ebenso: Prof. Hans Hoerauf ist dort Leiter der Augenklinik und betont, dass eine „reine Telemedizin“ allein keine verbesserte Patientenversorgung garantiere. Nur wenn der fachliche Austausch hinzu­ komme, „können sich Technik und Fachkompetenz ergänzen und dem Patienten die optimale Therapie bieten.“ Allerdings müssen für derartige Netzwerke verschiedene Rahmenbedingungen geklärt werden, etwa die Sicherheit sensibler ­Patientendaten und deren Übertragung zwischen unterschiedlichen technischen ­Systemen. Wenn das funktioniert, erhofft sich Prof. Hoerauf neben dem Nutzen für die Patienten auch neue Impulse für die Forschung, denn „auf diesem Weg bekommen die Uniklinika auch mehr Zugang zu Patienten mit seltenen und wenig ­erforschten Krankheitsbildern.“

Vorreiter in Südbaden

Bei ihren Netzwerkplänen schauen die beiden Klinikleiter auch auf das „Augen­ netz Südbaden“. Bereits 2008 gegründet, ist es heute ein essenzieller Baustein der augenmedizinischen Versorgung in der Region zwischen Baden-Baden, ­Singen und Weil am Rhein. Als Direktor der Freiburger Universitäts-Augenklinik war Prof. Thomas Reinhard maßgeblich an der Gründung beteiligt und teilt seine Erfahrungen regelmäßig mit den anderen ophthalmologischen Lehrstuhlinhabern. „Wir haben mehr als 50 niedergelassene Augenärzte im Netzwerk“, berichtet Prof. Reinhard. Außerdem gehören inzwischen auch „ein Diabetesspezialist, ein Rheumatologe und ein Allgemeinmediziner dazu, da es bei verschiedenen Augenerkrankungen Berührungspunkte mit ­deren Spezialgebieten“ gebe. Alle Ärzte im Netzwerk haben Zugriff auf ein Informationsportal, das neben Online-Terminbuchungen und Befundeinsichten auch den Zugang zu Behandlungsempfehlungen oder wissenschaftlichen Studien ermöglicht. „Unsere Erfahrungen zeigen, dass alle Seiten von dieser engen Zusammenarbeit profitieren“, sagt Klinikdirektor Prof. Reinhard. „Die niedergelassenen Kollegen nutzen das Wissen unserer Spezialisten im Uniklinikum, die oft mit neu­ en Therapieoptionen die Versorgung der Patienten erheblich verbessern können.“ Allerdings erfordere ein funktionierendes Netzwerk wie in Südbaden in der Planung viel Kompetenz und Engagement für eine technische Infrastruktur, die in Fragen von Datensicherheit und -schutz höchsten Anforderungen genügt. „Unser Ziel sollte es sein“, so Prof. Reinhard, „dass die regionalen Netzwerke eines Tages ein übergeordnetes Netzwerkbild.

Regionale Netzwerke machen die Ambulanzen vieler Augenkliniken in den deutschen Universitätsklinika zu Kompetenzzentren mit „Leuchtturmfunktion."

 

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